Die Vitalität des Neutralen – The Vitality of Neutral von Judy Sedgeman

Folgende Fragen kamen vor einigen Tagen in einer Diskussion auf:

Wenn Prinzipien neutral sind, wie kann man dann behaupten, dass durch deren tieferes Verständnis Positives geschieht?

Wie ist es möglich, dass einige Menschen Deines Fachgebiets darüber sprechen, „die Prinzipien zu leben“ oder „sich mit den Prinzipien zu verbinden“, als wären sie ein getrennter Leitfaden für das Leben, dass Du aber andererseits von den Prinzipien als universal gültig sprichst? Wenn etwas universal ist, wie wäre es dann möglich, es nicht zu leben? Wo kommt Wahlfreiheit mit ins Spiel?

Der Fragesteller sprach über die Prinzipien GEIST, BEWUSSTSEIN und DENKEN, die Basis der Arbeit von Menschen, die sich der innewohnenden Gesundheit aller Menschen verschrieben haben. Aber lass uns zunächst generell über Prinzipien sprechen.

Nehmen wir als Beispiel Spaltung und Verbindung. Die Moleküle, die sich im Fall einer Spaltung trennen oder sich im Fall einer Verbindung  vereinen, um enorme Mengen an Energie freizusetzen, gehorchen fundamentalen, universalen Gesetzen. Die Spaltung, die Verbindung und die freigesetzte Energie sind neutrale Kräfte. Wenn die Formation der Energie einmal in Bewegung gesetzt ist, kann sie durch nichts aufgehalten werden. Die Moleküle agieren zwangsläufig. Dies ist das Reich des Universalen.

Ob das Ergebnis der Spaltung oder Verbindung in der Massenzerstörung menschlichen Lebens resultiert oder in der Kraft, die Beleuchtung und den Maschinenpark einer ganzen Stadt zu bedienen, gehört zu einem ganz anderen Bereich im Leben. Dieses Gebiet ist die bestimmte Art und Weise, wie die Energie der Spaltung oder Trennung in einem gegebenen Moment genutzt wird. Die Tatsache, dass eine solche Energie immer verfügbar ist, ist eine universale, formlose Wahrheit. Die Richtung, in welche diese Energie gewiesen wird, ist eine bestimmte Wahl, die Form, welche sie annimmt.

Anders ausgedrückt – die Tatsache, dass immer eine Wahl vorhanden ist, ist eine formlose, universale Wahrheit. Welche Wahl getroffen wird, ist eine Form, die diese Wahrheit zu einem bestimmten Zeitpunkt angenommen hat. Das Universale verändert sich nicht. Das Bestimmte kann sich immer verändern. Im Falle der Spaltung und Verbindung resultierten die ersten Entscheidungen in Massenzerstörung. Aber die gleiche Energie, die gleiche universale, neutrale Kraft wurde später durch verschiedene Entscheidungen der Form dazu genutzt, der Menschheit zu helfen.

Die Prinzipien des Geistes, des Bewusstseins und des Denkens sind, auf das Einfachste reduziert, eine universale Wahrheit. Die Energie des Denkens ist neutral; für die Nutzung des Denkens wählen wir unendlich variable Formen, während wir diese Energie dazu nutzen, unser Leben zu leben.

Genauso wie die Moleküle immer ihren Kurs in Richtung Spaltung oder Verbindung haben, so leben wir immer die Prinzipien. Dies ist keine Wahl. Solange wir leben, nutzen wir die neutrale Kraft des Denkens, um unser Leben zu kreieren. Das Ergebnis ist eine Wahl. Solange wir leben, sind wir fähig, diese Kraft zu nutzen, um eine unbegrenzte Palette an möglichen Erfahrungen auszudrücken.

All das mag ziemlich kopfgesteuert klingen, deshalb führe ich hier ein Fallbeispiel an.

Vor einigen Jahren war ich Leiterin einer Dienstleistungsfirma mit einem erheblichen Einsatz von Datenverarbeitung, bei der die Angestellten in zwei Schichten arbeiteten. Unser Gebäude befand sich in einer sicheren, gut beleuchteten Gegend an einer Hauptstraße, die Tag und Nacht befahren war, und es gab häufige Sicherheitsprüfungen. Wir waren zuversichtlich, dass unsere Angestellten ohne Furcht kommen und gehen konnten.

Eines Tages fuhr ich gegen 5:30h morgens beim Büro vorbei, um einige Materialien, die ich später am Morgen für eine Präsentation brauchte, mitzunehmen. Zufällig lief ich durch das rückwärtige Gebäude, wo sich das Datenverarbeitungszentrum befand, und ich war erstaunt, eine meiner Mitarbeiterinnen tief schlafend unter ihrem Schreibtisch zu bemerken. Sie hielt einen Teddybären fest im Arm, und auf ihrem Schreibtisch befand sich ein kleiner Koffer, was mir zeigte, dass sie es  vorab geplant hatte, im Büro zu übernachten.

Besorgt weckte ich sie sanft auf. Dies war ihre Geschichte: Die zweite Schicht endete um 19:00h abends. Es war Frühherbst und es wurde früher dunkel, so dass es gegen 19:00h schon komplett dunkel war. Sie war immer darauf vorbereitet, über Nacht zu bleiben, für den Fall, dass sie es nicht schaffen würde mit einer ganzen Gruppe Kollegen zusammen zu gehen und mit einer anderen Person zu fahren, wenn es schon dunkel war. Sie versuchte, in die Morgenschicht zu wechseln, hatte allerdings noch niemanden zum Wechseln gefunden. Am Abend zuvor war sie auf der Toilette gewesen, als die Letzten aus der Gruppe gegangen waren. Sie dachten, sie sei schon gegangen. So nahm sie ihren Teddybären heraus und verdrückte sich unter ihrem Schreibtisch, weil sie das Gebäude nicht nach Einbruch der Dunkelheit verlassen konnte.

Als sie die Geschichte erzählte, erzählte sie sie mit absoluter Überzeugung. Sie hatte es nicht einmal in Erwägung ziehen können, das Gebäude bei Dunkelheit zu verlassen. Sie stellte nicht in Frage, warum andere das konnten. Sie fragte sich nicht, ob es irgendeine Möglichkeit gab, sich zu verändern. Der Hintergrund war, dass sie und ihre Mutter von dem Parkplatz eines Einkaufszentrums Jahre vorher in der Dämmerung von einem Eindringling, der sich im hinteren Teil des Wagens versteckt hatte, entführt worden waren. Sie und ihre Mutter hatten beide diese Furcht. Sie hatten persönliche Sicherheitstrainings absolviert, Kampfsport erlernt, sich selbst mit starken Taschenlampen versorgt und trugen immer Spray zur Verteidigung mit sich. Aber sie konnten noch immer nicht alleine nachts Auto fahren.

Als Folge davon konnte sie keine Abendkurse belegen; sie konnte am Abend keine Freunde im Kino treffen; sie war eine Einzelgängerin ohne soziale Aktivitäten geworden. Sie lebte ihr Leben tatsächlich nur während der Tageszeit. Sie war traurig darüber, aber sie fühlte sich, als hätte sie keine andere Wahl.

Wie zeigt dies die Prinzipien Geist, Bewusstsein und Denken in Aktion? Wir würden sagen, dass sie immer wieder aufs Neue furchtvolle Gedanken kreierte und eine Realität voller Furcht erlebte. Solange sie keine Ahnung hatte, dass sie dies tat, hatte sie keine Wahl. Sie war überzeugt, dass ihre Erfahrung eine Begleiterscheinung  der Entführung war und dass sie sich nie verändern könnte, weil es keine Möglichkeit gab, etwas an der Tatsache zu ändern, dass sie als Kind entführt worden war und Todesangst erlebt hatte. Sie realisierte nicht, dass ihre Gedanken sich verändern könnten und sie verstand nicht die neutrale Kraft des Denkens. Sie realisierte nicht, dass die einzige Möglichkeit, die Vergangenheit in der Gegenwart zum Leben zu erwecken und uns zu verfolgen, darin besteht, dass wir die Fähigkeit haben, im Jetzt erneut daran zu denken.

„Lebte“ sie die Prinzipien? Natürlich. Solange sie Furcht in ihren Geist bringen würde, würde sie weiterhin in Furcht leben. Solange sie weiterhin denken würde, dass die Furcht durch ihre Vergangenheit hervorgebracht wurde, konnte sie sich nicht vorstellen, sie zu überwinden.

Die Herausforderung war, ihr dabei zu helfen, sich von einem Leben der Prinzipien ohne jegliches Verständnis darüber, zu einem Leben mit tiefem Verständnis darüber zu bewegen; ihr dabei zu helfen, dass sie genau die gleiche Kraft, die sie nutzte, um Furcht zu erzeugen, auch dazu nutzen konnte, alles andere zu erzeugen.

Mit der Zeit, als es mir möglich war, mit ihr über die Prinzipien zu sprechen, beruhigte sie sich. Sie sah ein, wie ihr eigener Geist funktionierte. Sie sah ein, wie sie die Kraft des Denkens gegen sich selbst anwandte. Sie begann sich zu fragen, ob sie sich ändern könnte. Dann schöpfte sie Hoffnung, dass sie sich ändern könnte. Ihr kamen neue Ideen. Schließlich nahm sie alles Wissen, das sie über Sicherheit und Schutz hatte, zusammen und machte es nutzbar, indem sie der Polizei beitrat. Und sie sah, dass sie der Denker ihrer eigenen Gedanken war. Vorher hatte sie geglaubt, dass ihre Gedanken sie denken würden.

Der Punkt ist nicht, dass sie der Polizei beitrat. Das war das, was ihr in den Sinn kam. Sie hätte alles Mögliche tun können. Sie hätte das Ganze hinter sich lassen und das Thema Sicherheit komplett aus ihrem Geist streichen können. Sie hätte weiterhin in der Datenverarbeitung arbeiten können. Sie hätte zurück ins College gehen können. Sie hätte weiterhin in Furcht leben können, wenn sie ihr furchtvolles Denken weiterhin ernst genommen hätte. Der Punkt ist, dass wenn wir einmal „an uns dran“ sind und wir die Neutralität der Kraft des Denkens erkennen,  wir unsere Fähigkeit für einen Sinneswandel zu erspüren beginnen. Wenn eine Ansammlung von Gedanken für uns keine Lösung bietet, dann haben sie nur so lange Leben in oder Kraft über uns, wie wir sie in unserem Geist beibehalten.

Die neutrale, universale Kraft des Denkens hat sich für sie nicht verändert. Prinzipien sind konstant. Dennoch veränderte sich ihre spezifische Nutzung dieser Kraft, sobald sie begriff, dass sie die Fähigkeit hatte, sie auf vielfache Weise anzuwenden. Sie wünschte sich Freiheit und Freude in ihrem Leben, wie wir alle. Sie verstand nicht, so wie es vielen von uns ergeht, dass Freiheit und Freude Kreationen unseres Geistes sind.

Die Prinzipien sind neutral. Wir können behaupten, dass durch ihr Verständnis Gutes geschieht, da Menschen, die sich frei fühlen, für sich selbst zu denken, ihre Meinung zu ändern, zu träumen, sich etwas vorzustellen, etwas zu erhoffen, eine höhere Lebensqualität haben als Menschen, die in ihrem Leben unwissentlich ihren eigenen schlimmsten Gedanken ausgeliefert sind.

 

©Judith A. Sedgeman, EdD

(übersetzt von Anne Rose Pretorius)

Das Original finden Sie hier

 

 

2018-08-22T08:29:00+00:00

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